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Ludger Jungnitz
Willi Walter
Der Arbeitskreis Kritische Männerforschung besteht seit nunmehr zweieinhalb Jahren und gibt mit diesem seinen zehnten Rundbrief heraus. Dies ist für uns Herausgeber des Rundbriefs, gleichzeitig Koordinatoren und Mitinitiatoren des Arbeitskreises, ein Grund zurückzublicken.
Der Beginn der Gründung eines bundesweiten Arbeitskreises für Männerforschung fällt mit dem Gründungsprozess eines bundesweiten Männernetzwerks (jetzt: Pfefferprinz) zusammen. Der ehemalige "Arbeitskreis Männerstudien" war Ende 1993 in Auflösung begriffen und einige Mitglieder dieses Arbeitskreises versuchten zusammen mit anderen Männern, ein bundesweites Männernetzwerk zu gründen. Es kam schon ziemlich früh der Vorschlag, dieses Männernetzwerk nach dem Vorbild der US-amerikanischen Organisation NOMAS in task-groups (dt: Arbeitkreise) zu gliedern. Parallel zur Gründung dieses Männernetzwerkes bestand bei einigen Männern zudem das Interesse an der Gründung einer Institution, welche die deutschsprachigen Männerforscher vernetzen und endlich auch eine Plattform für deutschsprachige Männerforschung bieten sollte. Es lag also nahe, diese Plattform als einen Arbeitskreis des Männernetzwerks zu gründen. So gab es bereits Mitte 1993 eine Kontaktadresse für die Gründung eines solchen Arbeitskreises (Willi Walter).
Diesen Status eines 'Arbeitskreises in Gründung' behielt der AK Kritische Männerforschung über ca. ein Jahr, während im Rahmen der Pfefferprinzgründung ca. 15 Männer Interesse an der Teilnahme bekundeten. Den ersten Schritt zur Konsolidierung stellte die Erstellung eines Fragebogens an Interessenten durch Willi dar. Inzwischen hatte sich auch Ludger entschlossen, den Arbeitskreis zusammen mit Willi zu koordinieren. Der Fragebogen wurde ab September 1994 als Nr. 0 des Rundbriefs des AK Kritische Männerforschung an ca. 20 Männer verschickt. Sieben Männer (inklusive der Koordinatoren) sandten ihn mehr oder weniger ausführlich beantwortet zurück. Eine Zusammenfassung und ein auszugsweiser Abdruck der Antworten bildete dann den maßgeblichen Inhalt des im Dezember 1994 an diese sieben Männer verschickten Rundbriefs Nr. 1. Seit diesem Rundbrief ist es uns gelungen, vierteljährlich einen neuen Rundbrief zu verschicken. Der zweite enthielt bereits inhaltliche Beiträge von Mitgliedern sowie weitere Beantwortungen von Fragebögen und wurde an 12 Männer versandt. Die folgenden Ausgaben steigerten sich (fast) kontinuierlich - sowohl in der Anzahl der Beiträge, als auch in der Seitenzahl und der Anzahl der Leser. Wir mussten schon ziemlich bald zwischen sogenannten "aktiven" und "passiven" Mitgliedern unterscheiden, welche seit Rundbrief Nr. 7 Sinnvollerweise "Mitglieder" und "AbonnentInnen" heißen.
Wir haben das Layout des Rundbriefs seit der Nr. 1 nur sehr behutsam verändert, da uns der Wiedererkennungseffekt wichtig war. Zudem war das Layout u. E. für eine nicht-professionelle Publikation von Anfang an ziemlich aufwendig. Sollte der Rundbrief in vielleicht gar nicht mehr so ferner Zukunft einmal den Sprung zu einer richtigen Zeitschrift machen, würde das natürlich auch Konsequenzen für das Layout, wie auch für den Vertrieb haben. Momentan halten wir die Form und den Status des Rundbriefs aber für ausreichend und bemühen uns weiter um eine "behutsame Modellpflege".
Schon ganz zu Anfang erklärte sich Wolfgang Weil dazu bereit, die zurückliegenden Ausgaben des Rundbriefs zu verschicken. Seit Nr. 9 betreut außerdem Ralf Lange die Infobörse im Rundbrief. Stefan Beier übernimmt ab und an das Lektorat. Auf diese Weise wird die Verantwortung für den Rundbrief innerhalb des Arbeitskreises weiter verteilt.
Diese Jubiläumsausgabe soll auch den Zweck haben, die - unentgeltlich geleistete - Arbeit zu würdigen. Es war nicht immer einfach für uns, ein gewisses Niveau in Bezug auf Umfang und Inhalt des Rundbriefs zu halten und wir haben unserer zeitweiligen Enttäuschung über mangelnden Rücklauf von Seiten der Mitglieder ja auch in dem ein oder anderen Editorial Ausdruck gegeben. Wir hoffen, dass der Arbeitskreis rein quantitativ inzwischen eine Größe erreicht hat, ab der sich so etwas wie eine "Arbeitsteilung der Kreativität" von selbst einstellt, sprich: Wenn jeder immer dann, wenn er Lust und etwas auf Lager hat, einen Beitrag, Hinweis oder Leserbrief schickt, dürfte der Rundbrief immer ohne großes Bemühen von Seiten der Redaktion mit sehr verschiedenen Beiträgen versehen sein. Zumindest für den letzten Rundbrief Nr. 9 und den aktuellen Rundbrief Nr. 10 scheint diese Rechnung schon aufzugehen. Wir glauben, gerade die Heterogenität der unaufgefordert eingesandten Beiträge aller Mitglieder und Abonnenten des Arbeitskreises machen den Rundbrief interessant und spannend - und machen es zu einer Freude, ihn zu lesen.
Neben dem Rundbrief bilden die Treffen des Arbeitskreises sein zweites Standbein. Anfangs fanden sie noch im Rahmen des Pfefferprinz oder auch schon mal während des bundesweiten Männertreffens statt. Im Herbst 1996 traf sich der Arbeitskreis dann zu seinem ersten unabhängigen Treffen (siehe Rundbrief Nr. 9, S. 15 ff.). Dieses gelungene Wochenende lässt ob seiner entspannten und kreativen Atmosphäre erwarten, dass die Treffen des Arbeitskreises, die in Zukunft regelmäßig im Herbst stattfinden sollen, zu einem festen und wichtigen Standbein des Arbeitskreises werden.
aus: Rundbrief für Kritische Männerforschung Nr. 10
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